Use Case Management – Vortrag von Prof. Dr. Cornelius Preidel

In diesem Fachvortrag erläutert Prof. Dr.-Ing. Cornelius Preidel (Vorstandsvorsitzender von buildingSMART Deutschland) die essenzielle Rolle des Use Case Managements (UCM) für die erfolgreiche Implementierung der BIM-Methodik. Der Vortrag schlägt die Brücke zwischen theoretischen Standards und der praktischen Anwendung, indem er zeigt, wie komplexe digitale Bauprozesse durch standardisierte Anwendungsfälle (Use Cases) handhabbar und reproduzierbar werden.

Kerninhalte & Technische Schwerpunkte:

1. Definition und Bedeutung von BIM-Anwendungsfällen

  • Ein BIM-Anwendungsfall ist eine systematische Beschreibung spezifischer Tätigkeiten zur Erreichung definierter Ziele im Lebenszyklus eines Bauwerks [01:02].

  • Die Analogie zum Kochrezept: Ein Use Case dient als strukturierte Anleitung (Zutaten, Akteure, Prozessschritte), um ein gewünschtes Ergebnis (Output) sicherzustellen, lässt aber Raum für projektspezifische Anpassungen („eigener Twist“) [07:04].

  • Relevanz für verschiedene Profile: Auftraggeber (Definition von Zielen), BIM-Manager (Umsetzung), Lehre (Vermittlung von Stand der Technik) und Softwarehersteller (bedarfsgerechte Funktionsentwicklung) [02:41].

2. Normative Verankerung (VDI 2552 Blatt 11 & 12)

  • Der Vortrag zieht enge Parallelen zur Richtlinienreihe VDI 2552.

  • Blatt 12.1: Definiert die Bestandteile eines Use Case (Steckbrief, Prozessdiagramme, Informationsbedarf) [11:05].

  • Blatt 12.2: Regelt die Verwaltung dieser Use Cases in Datenbanken und Repositories [11:13].

  • Wichtige Bestandteile eines Use Case nach VDI: IDM-Prozessdiagramme (BPMN), Interaktionstests und die Spezifikation des Level of Information Need (LOIN) inkl. geometrischer und alphanumerischer Anforderungen [13:41].

3. Der Service: buildingSMART Use Case Management (UCM)

  • Das UCM ist ein zentraler Service von buildingSMART International (ursprünglich initiiert von buildingSMART Schweiz), der als Brücke zu technischen Standards wie IFC und BCF fungiert [16:03].

  • Es handelt sich um eine webbasierte Datenbank (Repository) zur Erfassung, Spezifizierung und zum Austausch von Best Practices [24:31].

  • Wichtige Abgrenzung: Das UCM ist kein Common Data Environment (CDE). Es dient nicht der Ablage projektspezifischer Daten, sondern fungiert als reines Referenzsystem für Prozessvorlagen [27:03].

4. Live-Einblick in die Plattform (ucm.buildingsmart.org)

  • Vorstellung der Benutzeroberfläche: Suche und Filterung nach Sektoren (Hochbau, Infrastruktur), Leistungsphasen, Sprachen und Herausgebern [28:26].

  • Beispiel Schlitz- und Durchbruchsplanung: Demonstration der Prozessdefinition mittels IDM/BPMN-Diagrammen, die den schrittweisen Informationsfluss zwischen Objektplaner, Tragwerksplaner und TGA-Planer visualisieren [31:18].

  • Einblick in den Co-Creation Space: Die Editormaske für Organisationen, um eigene Anwendungsfälle strukturiert anzulegen und zu publizieren [33:13].

5. Roadmap und Ausblick

  • Kontinuierliche Anpassung an das Delta zur VDI 12.1.

  • Fokus auf Usability (bessere Auffindbarkeit) und die Einführung eines Quality Ratings (Bewertungssystem für die Güte und Vollständigkeit eines Anwendungsfalls) [35:09].

Fazit für die Praxis:

Das Use Case Management bietet eine zentrale Anlaufstelle, um das „Rad nicht jedes Mal neu erfinden zu müssen“. Es ermöglicht Unternehmen, von erprobten Workflows der Branche zu profitieren, diese zu adaptieren und so die Qualität und Effizienz in digitalen Bauprojekten nachhaltig zu steigern.